Konditionierung ...

Der Konditionierung wird ein so genanntes Reiz-Reaktions-Schema zugrunde gelegt. Zu unterscheiden sind die operante und die klassische Konditionierung, welche man sich bei der Erziehung des Hundes zu Nutze machen kann.

Die Konditionierung:
In das Reiz-Reaktions-Schema wird eingegriffen, um einen Reflex auf einen bestimmten Reiz hin zu aktivieren und auszulösen. Auf den Reiz erfolgt immer der gleiche Reflex und die gleiche Reaktion des Hundes, wird diese mit gleicher Wirkung belohnt oder bestraft, findet eine Konditionierung statt.

Beispiel: Jedes mal wenn Sie das Futter für ihren Hund zubereiten (Reiz) läuft ihm bereits das Wasser im Mund zusammen (Reflex), weil er jeden Moment sein Futter zu erwarten hat, setzt er sich vor Sie (Reaktion). In der Erziehung können wir uns das Reiz-Reaktions-Schema zu Nutze machen und durch den Prozess der Konditionierung den Reiz in ein Signal (Hör-oder Sichtzeichen), das immer ein bestimmtes Verhalten auslöst, umwandeln. Auf den Reiz kann ein Kommando erfolgen. Durch mehrfaches Wiederholen des Reizgebens und das Bestärken oder Bestrafen des vom Hund gezeigten Verhaltens, wird der Hund automatisiert das gewünschte Verhalten zeigen: Der Hund wird konditioniert.

Die klassische Konditionierung nach Pawlow:
Beispiel: auf den Reiz Futter erfolgt der Reflex Speichelfluss beim Hund. Der Reflex erfolgt automatisch, der Hund hat keinen Einfluss darauf. Nun wird zeitgleich mit der Futtergabe immer wieder ein neutraler Reiz z.B. in Form eines Glockenzeichens, Pfeife oder ähnlichem gegeben. Durch ständiges Wiederholen verknüpft (lernt) der Hund auf diese Weise, dass, immer wenn er den Pfiff hört, das Futter folgt. Er speichelt also schon beim Ertönen des Pfiffs, ohne das Futter zu riechen. Der neutrale Reiz Pfiff ist durch die Konditionierung ein bedingter Reiz geworden, auf den der Hund mit der bedingten Reaktion reagieren wird.

Die operante Konditionierung nach Skinner:
Im Gegensatz zur klassischen Konditionierung wird hier kein Reflex (Speichelfluss) durch den Reiz ausgelöst, sondern eine zufällige Reaktion auf einen Reiz als gewünschtes Verhalten gefestigt. Beispiel: Der Hundehalter gibt einen Reiz (z.B. Hör-oder Sichtzeichen) an den Hund, woraufhin irgendein Verhalten des Hundes folgen wird. Auf das gezeigte Verhalten kann der Hundehalter unterschiedlich reagieren: entweder er verstärkt (belohnt) oder er bestraft das Verhalten des Hundes. Es wird unterschieden zwischen 4 Reaktionsmöglichkeiten auf das vom Hund zufällig gezeigte Verhalten nach dem Reiz.

1. Die positive Verstärkung:
Es folgt etwas Angenehmes. Der Hund zeigt ein gewünschtes Verhalten dafür bekommt er ein Leckerchen.
2. Die negative Verstärkung:
Etwas für den Hund Unangenehmes wird entzogen, wenn der Hund das erwünschte Verhalten zeigt. Die unangenehme Geräuschkulisse wird abgestellt.
3. Die positive Strafe:
Dem Hund wird etwas Angenehmes entzogen, wenn er unerwünschtes Verhalten, zeigt. Der Hund spielt zu wild, wir brechen das Spiel ab und entziehen ihm das Spielzeug.
4. Die negative Strafe:
Der Hund zeigt auf den Reiz ein unerwünschtes Verhalten, also wird für ihn etwas Unangenehmes folgen.


Konditionierung – Sinn oder Unsinn?

Alle Varianten der Konditionierung sind in der Erziehung des Hundes möglich, allerdings sollten wir lernen unsere Hunde nicht nur durch reine "Verknüpfungen", also klassisches Konditionieren zu erziehen, sondern beachten, dass die kognitiven Fähigkeiten unserer Hunde sehr vielfältig sind und daher auch genutzt werden sollten. Leider scheint es in den letzten Jahren ein Trend zu sein dem Hund alle möglichen Kommandos durch die klassische Konditionierung (besonders beliebt durch den Clicker) beizubringen. Leider wird dabei vergessen, dass der Hund durch den Reflex (Speichelfluss) nicht mehr in der Lage ist selbst zu entscheiden, er funktioniert automatisiert (zwangsläufig).

Dabei übersehen leider viele Hundehalter und auch Trainer, dass ihr Hund keinen Spaß an der Clicker-Arbeit hat, sondern, dass er aufgeregt in erwartender Haltung auf das Leckerchen reagiert – der Speichelfluss hat schon längst stattgefunden. Er kann gar nicht mehr anders. Von Spaß kann keine Rede mehr sein. Spaß haben Hunde, wenn sie etwas freiwillig und gerne machen, dazu ist keine Konditionierung nötig.

Noch bedenklicher ist die reine Konditionierung durch die positive Strafe, in Form von Hilfsmittel wie Starkstrom oder andere schmerzbringende Hilfsmittel. Hier können auch Situationen verknüpft werden, mit denen wir gar nicht rechnen, so dass damit erst Recht ein Fehlverhalten erzeugt werden kann. Ebenfalls wird der Hund durch ein reines Meideverhalten ein unerwünschtes Verhalten aus Angst unterlassen, nicht aber, weil er verstanden hat, was wir möchten oder eben nicht möchten. Ein Vertrauensverhältnis wird dadurch eher kaputt gemacht statt gefördert.

Interessant ist auch der mediale Trend zu Hilfsmitteln wie Spritzpistole, Schütteldose oder Wurfkette: wenn Bello lautstark zur Tür rennt um Besucher zu empfangen oder zu vertreiben, wird geworfen oder gespritzt was das Zeug hält. In einem Fall sah ich einen Hundeprofi, der mittels eines Stockes einen Hund davon abhalten wollte seinen Napf zu verteidigen, in dem er den Stock zwischen Hund und Schüssel stellte.

Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie demnächst neben Clicker und Co. einen Erziehungsstab finden oder aber auch einen umgedrehten Sprudelkasten. In einem anderen Fall sollten mittels eines umgedrehten Sprudelkastens, der als Abstandshalters diente, die Hunde davon abgehalten werden ihre Besitzerin anzuspringen oder vor ihr aus der Tür zu flitzen. Vielleicht findet man demnächst auch einen professionellen Erziehungsabstandhalter in den Regalen des Fachhandels. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Solange man damit Geld verdient, lassen sich immer wieder neue Erziehungsmittelchen an den Mann bringen.

Der durchschnittliche Hundehalter wird von all den Angeboten und Möglichkeiten derart verwirrt, dass es kein Wunder ist, wenn alles ausprobiert wird, bis unsere Hunde am Ende selbst völlig kirre sind von dem vielen Erziehungs- und Konditionierungsprogramm.

Wieder andere Gelegenheits-Fernsehtrainer verkaufen die allseits beliebte Alphatheorie untereschiedlichsten Namen, wie beispielsweise ein Leitwolftraining oder Rudelführertraining. Dann bedarf es jeweils einer recht günstigen Weiterbildung für Hundetrainer, die sich dann Leitwolftrainer nennen oder ein entsprechendes Leitwolftraining anbieten. Haben wir es jetzt etwa mit dem Wolf zu tun oder sprechen wir von domestizierten Caniden? Haben Sie schon mal einen Leitwolf gesehen, der nichts besseres zu tuen hat, als tagtäglich den Rest des Rudels zu erziehen, trainieren oder zu dominieren?

Ähnliche Beispiele gibt es genug, ständig wird das Rad neu erfunden und eine neue Methode, Hilfsmittel oder Weiterbildungen werden angepriesen, man muss den Dingen nur Namen geben, dann lassen sie sich gut verkaufen.

Vielleicht denken wir aber mal darüber nach, dass wir diese Hilfsmittelchen und Methoden Jahrhunderte nicht brauchten und unsere vierbeinigen Begleiter trotzdem alltagstauglich waren und ihre Aufgaben erfüllten.

Vielleicht kommen wir einfach mal zurück zu einem natürlicheren Umgang und Verständnis für und mit Hunden, was für unsere Urgroßväter noch selbstverständlich war. Unsere Hunde verstehen uns auch durchaus anders und können auf verschiedene Weise lernen und verstehen. Oft genug bringen sie sich selbst etwas bei, Beispiele kennen Sie sicher auch aus dem Alltag. Oder wir bringen ihnen etwas bei ohne es zu merken ...

Manchmal stellt sich dabei auch die Frage wer wen besser erzieht, wir unsere Hunde oder sie uns? Wir müssen nicht immer in der Sekunde reagieren und auch nicht für den Rest des Lebens immer konsequent sein. Das schaffen wir ohnehin nicht.

Wir müssen klar, deutlich und verständlich sein und wenn nötig, dann eben auch beharrlich und geduldig.

Missverständnisse können hier sehr schnell entstehen, insbesondere im Alltag, wenn wir selbst nicht auf Training und Konzentration eingestellt sind. Allein durch unsere Körpersprache, innere Haltung und dem verbalen Handeln. Stimmen diese drei kommunikativen Ausdrucksweisen für den Hund nicht überein, werden wir für ihn unklar: er kann nicht wissen und verstehen, was wir von ihm wollen. Sein Ungehorsam ist deshalb nicht mit frech, stur oder dickköpfig gleichzusetzen. Es kann immer viele Gründe geben warum der Hund sich gerade so verhält, wie wir es uns nicht wünschen, oftmals sind es Missverständnisse und Unklarheiten zwischen Hund und Halter.

Dazu kommen ein Teil genetische Disposition, Vorgeschichte, Erfahrungen, Alter, Hormonzustand, Gesundheitszustand, ernährungsbedingte Komponenten, Stressfakoren uvm., was wir berücksichtigen sollten, ehe man mit einer pauschalen Methode den Hund erzieht oder trainiert.

Überlegen Sie auf jeden Fall je nach Situation und Verhalten, ob Ihr Hund konditioniert werden muss oder ob er Sie auch anderweitig verstehen kann.
Gerne zeige ich Ihnen Wege auf, wie Sie ohne Clicker, Sprühpistole oder Stab unterschiedlichste Übungen und erwünschte Verhaltensweisen mit Ihrem Hund verständlich und gerecht erlernen können.