"GEFÄHRLICHE" Hunde ...

Eine Hundrasse oder deren Mixe grundsätzlich als gefährlich einzustufen, ist schlichtweg falsch. Leider wurden jedoch Hunderassen vom Gesetztgeber durch die Landeshundeverordnung von 2002 als gefährliche Rassen aufgelistet. Seit dem bezeichnet man diese Rassen als sogenannte Listen- oder Anlagehunde. Der Gesetzgeber schreibt vor, welche Rasse als prinzipiell gefährlich einzustufen ist. Statistiken und Studien beweisen jedoch das Gegenteil: nicht alles lässt sich über einen Kamm scheren. Die Gefährlichkeit eines Hundes ist nicht von der Rasse abhängig.

Wenn Hunde – egal welcher Rasse – eine falsche oder gar keine Erziehung, speziell in der sensiblen Phase erleben, sehr reizarm aufwachsen und wenig oder nur einseitige Sozialkontakte zu ihren Artgenossen haben, isoliert aufwachsen und nicht oder nur wenig mit unterschiedlichen Menschen vertraut werden oder gar gewaltsam erzogen werden, steigert sich die potenzielle Gefahr, dass ein solcher Hund gegenüber Hund oder Mensch, sehr häufig im eigenen Familienumfeld – insbesondere den schwächeren Familienmitgliedern (meist Kindern) gegenüber gefährlich werden kann.

Gefährlich sind somit keine speziellen Rassen, sondern Hunde, die nicht artgerecht oder unzureichend geprägt und sozialisiert aufwachsen. Wenn auch einiges an mangelnder Erziehung und Sozialkontakten nachgeholt werden kann, bleibt bei solchen Hunden tendenziell eine höhere, mögliche Gefährlichkeit vorhanden, sofern sie in dem vorhandenen Umfeld bleiben und ihre Besitzer den Umgang mit dem Hund nicht ändern.

Beispiele gibt es genug, wo gefährlich einzustufende Hunde in einem neuen Umfeld bei anderer Haltung und anderen Menschen, die Angriffsbereitschaft des Hundes deutlich sinkt und keine Gefahr mehr von ihm ausgeht.

"Hunde, die im Junghundalter eine Rangeinweisung entbehrten, vielmehr vermenschlicht und verwöhnt wurden, neigen zu gestörtem Dominanzverhalten gegenüber Menschen und Artgenossen. Ein Gefahrenpotential bilden also Hunde mit hohem sozialen Status in ihrer Familie. Bei großen Hunden ist so eine freie hierarchische Position hochgefährlich für alle Familienmitglieder. Unzureichende Auslastung von Hunden, deren Haltung ihren Rassebesonderheiten nicht ausreichend Rechnung trägt, kann zu Verhaltensfehlentwicklungen aufgrund inadäquater, immer gleicher Umgebung (Reizarmut) führen und in "plötzliche" Attacken und Ernstkämpfe umschlagen."
Zitat, Frau Dorit Urd Feddersen-Petersen

Es liegt also immer auch in unseren Händen, in unserer Verantwortung, unsere Hunde so aufwachsen zu lassen, dass von ihnen keine Gefahr gegenüber Menschen oder Artgenossen ausgeht.

Ist das Kind schon in den Brunnen gefallen, sollte gezielt mit dem Hund gearbeitet werden und die Struktur in der vorhandenen Umgebung genau betrachtet werden.

Bisherige Umgangsweisen mit dem Hund sollten baldmöglichst verändert werden. Es stellt sich dann die Frage, wann und warum gab es den ersten Vorfall von Angriffsverhalten gegenüber Artgenossen oder Menschen. Wie war die genaue Situation, was hat den Hund zu dieser Handlung veranlasst und was muss verändert werden. Die wenigsten, als gefährlich eingestuften Hunde, sind nicht therapierbar.


Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeinde, ob Ihr Hund zu den sogenannten Listenhunden (gesetzlich als gefährlich eingestufte Rassen und deren Mixe) oder zu den 20/40-Hunden zählt und ob Sie zur Haltung Ihres Hundes Auflagen wie beispielsweise den Sachkundenachweis erbringen müssen.

Buchempfehlung zu diesem Thema:
Mirjam Cordt · Hundereich
erschienen im März 2006 im Animal Lern Verlag